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Anreize minimieren und Mitarbeiter schützen

Welche Maßnahmen müssen Betreiber/innen von Spielhallen treffen, um Überfällen in ihren Spielhallenbetrieben vorzubeugen und ihren Mitarbeiter/innen den bestmöglichen Schutz zu gewähren? Diese Frage ist aktuell umso relevanter, da zum 01. April ein neues Regelwerk der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Überfallprävention in Kraft tritt. Um seine Mitglieder über die bevorstehenden Änderungen vorzubereiten und zu informieren, lud das FORUM am Dienstag zu einer weiteren Ausgabe des bewährten Digitalformates „Auf ein Wort … mit dem FORUM: Mitglieder helfen Mitgliedern“. Die an der Konzipierung der neuen Vorschrift beteiligten Experten der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) erläuterten alle relevanten Änderungen für Spielstätten und gaben den im Verband organisierten Unternehmer/innen Hinweise, was es zum 01.04.2021 konkret zu beachten gilt.

Vertreter der VBG präsentieren Mitgliedern neues Regelwerk zur Überfallprävention

 

Wie ein kurzer Stimmungsabgleich unter den Teilnehmer/innen ergab, waren einige dieser bereits von einem Überfall im eigenen Betrieb betroffen. FORUM-Geschäftsführerin Anja Bischof, die als Moderatorin in die Veranstaltung einführte, verwies daher eingangs auf die hohe Relevanz der Überfallprävention. Nicht zuletzt sei es die Pflicht aller verantwortungsbewussten Unternehmer/innen, die Mitarbeiter/innen im laufenden Betrieb bestmöglich vor Gefahren zu schützen. Daher, so Bischof, müsse sich jeder Betreiber und jede Betreiberin einer Spielhalle mit der neuen Vorschrift sowie der dazugehörenden Regel auseinandersetzen.

 

Schutz der Mitarbeiter/innen im Vordergrund

 

Um einige Grundfragen zum neuen Regelwerk vorab zu klären, wandte sich Bischof zu Beginn an die anwesenden Experten. Dirk Hofmann, Koordinator des Präventionsfeldes Kreditinstitute und Spielstätten der VBG sowie Leiter des gleichnamigen Sachgebietes der DGUV, erläuterte zunächst den Hintergrund der neuen Unfallverhütungsvorschrift (UVV). Vor mehr als zehn Jahren fusionierten verschiedene Unfallversicherungsträger der öffentlichen und gewerblichen Hand, um gemeinsame Synergieeffekte zu schaffen. Ziel war und ist es, Überfällen in Betrieben vorzubeugen und insbesondere den Umgang mit Bargeld entsprechend eines verringerten Anreizcharakters zu organisieren.

 

Bernd Marquardt, seinerseits Mitarbeiter des Präventionsfeldes und Mitglied des gleichnamigen Sachgebiets der DGUV, unterstrich den vordergründigen Zweck des Personenschutzes, welchen die UVV Überfallprävention sowie die dazugehörende Regel Spielstätten verfolge. Das Ziel, Anreize für einen Überfall zu mindern und gleichzeitig das Risiko für Täter zu erhöhen, diene in erster Linie dazu, die „Gesundheit und das Leben der Mitarbeiter zu schützen“.

 

Peter Ziems, Technische Aufsichtsperson der VBG, bekräftigte in diesem Kontext den allgemeinen Gesetzescharakter der neuen UVV. Diese sei, wie auch die bestehende Vorschrift, für alle der VBG zugehörenden Betriebe verpflichtend.

 

Keine wesentlichen Änderungen beim Umgang mit Bargeld

 

In ihrer anschließenden Präsentation gingen die Experten genauer auf die Inhalte des neuen Regelwerkes ein. Als Unfallverhütungsvorschrift (UVV) dienten deren Maßnahmen dazu, die Anreize für Überfälle nachhaltig zu verringern und hierdurch in erster Linie die Mitarbeiter/innen, aber auch vorhandene Sachwerte zu schützen. Das neue Regelwerk sei daher prozess- und schutzzielorientiert. In Bezug auf die Sicherung von Bargeld in der Spielstätte enthält die neue UVV im Vergleich zur alten Vorschrift keine tiefgreifenden Änderungen, jedoch Empfehlungen zur Anreizminimierung. Diese sei demnach bei automatisierten Kassensystemen am stärksten ausgeprägt, weshalb Betreiber/innen eine Abkehr vom „einfachen Tresen mit gesicherter Kassenlade“ empfohlen werde.

Grundsätzlich sind in einer Spielhalle kein Geldwechselautomat und keine Kassenlade mit akustischer Alarmierung mehr erforderlich. Neu sei hingegen der Begriff „Gesicherte Kassenlade“ (ohne Zustimmungssystem) sowie deren zulässigen Höchstbeträge. Künftig sind maximal 1.000 Euro Kasseninhalt zulässig, hiervon maximal 500 Euro in Form von Banknoten. Auf Empfehlung der Experten sollten Betreiber/innen von Spielhallen diesen Höchstbetrag weiterhin auf insgesamt 500 Euro (Banknoten und Münzen) begrenzen.

 

Konzept zur Notfallplanung erforderlich

 

Eine relevante Neuerung betrifft die Betreuung von Überfallbetroffenen. Betriebe müssen konkrete Maßnahmen, die nach einem Überfall zu ergreifen sind, im Rahmen eines Notfallplanes definieren. Dieser könne als Art „Checkliste“ verstanden werden, in der einerseits die möglichen Gefahren und Szenarien eines Überfalls aufgeführt sind, welche zudem aber auch konkrete Handlungsanweisungen für den Ernstfall enthält. Darunter fällt beispielsweise auch der Kontakt zu Notfallstellen. Neu und verpflichtend einzuhalten ist auch, dass nicht nur ein Unfall, sondern auch ein Überfall umgehend bei dem zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden muss. Die Meldung könne hierbei entweder telefonisch oder schriftlich erfolgen. Die VBG wird ihren Mitgliedern ein entsprechendes Formular zur Verfügung stellen. 

 

Was ist konkret zu tun?

 

Den wichtigsten Schritt, so Hofmann, hätten alle teilnehmenden Unternehmer/innen bereits gemacht, indem diese sich über die neuen Regelungen informieren. Sofern die Anforderungen der auslaufenden UVV eingehalten wurden, bestehe bezüglich des Umgangs mit Bargeld kein erweiterter Handlungsbedarf. Wichtig sei hingegen die Ausarbeitung des erläuterten Notfallplanes. Marquardt gab zu Bedenken, dass die UVV und die dazugehörende Regel ab deren Inkrafttreten am 01.04.2021 für alle Mitgliedsunternehmen der VBG umzusetzen seien. Da den Betreiber/innen durch die neuen Regelungen kein wirtschaftlicher Mehraufwand entsteht, sieht die kommende UVV hierbei keine Übergangsregelungen vor. Bis zum April hätten somit alle Betroffenen Zeit, mögliche Defizite in Bezug auf das bestehende Regelwerk zu beseitigen und das nun zusätzlich erforderliche Konzept eines Notfallplans auszuarbeiten.

 

Unternehmer berichten aus der Praxis

 

Thomas Plöger, Mitglied des FORUM-Vorstandes, bekräftigte anhand eigener Erfahrungen die Notwendigkeit eines solchen Notfallplanes und weitergehender Maßnahmen speziell für das Personal in Spielhallen. Nach einem Überfall stünden die Betroffenen unter Schock und seien zudem traumatisiert, weshalb sie von ihren Vorgesetzen Unterstützung erhalten müssen. Neben den im Vorfeld eines Überfalles zu treffenden Vorkehrungen und Handlungsanweisungen beträfe dies auch die Betreuung der Geschädigten mittels Hilfsangeboten. Die VBG bzw. der zuständige Unfallversicherungsträger sowie externe Hilfsorganisationen wie der Weiße Ring bieten hier Unterstützung. Nach außen sollte konsequent berichtet werden, dass in Spielhallenbetrieben kein größerer Tagesbetrag vorhanden ist, sondern oft nur der Inhalt der Wechselkasse mit Banknoten im Wert von maximal 500 Euro. Auch der Presse, die über entsprechende Vorfälle häufig berichtet, sollte dies aktiv kommuniziert werden, um Anreize für Täter zu minimieren.

Aufgrund der anhaltenden Betriebsschließungen möchte das FORUM in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit von Aushängen an den Eingangstüren von Spielhallen („Einbruch zwecklos“) hinweisen. Kostenfreie Vordrucke solcher Hinweisschilder finden Sie hier und hier.

Marco Lauer, stellvertretender Vorsitzender des FORUM, verwies auf die Vorteile automatisierter Systeme. Bei einem Überfall in einer Spielhalle sei es vorgekommen, dass die Identität der Täter mittels der Zugangskontrolle des Spieler-Sperrsystems erfasst werden konnte. Auch an anderer Stelle könnten automatisierte Systeme und ein hiermit verbundener, geringerer Bargeldbestand die Anreize für Täter minimieren. Anja Bischof verwies in diesem Kontext darauf, dass das FORUM in dessen Gremien und Arbeitskreisen das bargeldlose Zahlen bereits als Zukunftsthema verfolge.

 

Überfallprävention und Spielhallen-Zertifizierung

 

Dass die Einhaltung von Maßnahmen zur Überfallprävention nicht nur im Rahmen der Vorgaben der Unfallversicherungsträger, sondern auch in Bezug auf Aspekte der qualitativen Glücksspielregulierung zentral ist, bekräftigte abschließend Anja Bischof. Bei einer Spielhallen-Zertifizierung stünden mitunter auch die Inhalte der Betriebsanweisung zur Prüfung. Diese müsse entsprechend der Kriterienkataloge der Prüforganisationen auch Vorgaben der Überfallprävention berücksichtigen. Vorgesehen sind etwa eine regelmäßige Schulung des Personals sowie die Funktionstüchtigkeit und regelmäßige Wartung von Überfallmelde- und Raumüberwachungsanlagen.    

 

Link zur Präsentation und weiterführende Informationen der VBG

 

Die von den Experten der VBG freundlicherweise zur Verfügung gestellte Präsentation mit den wesentlichen Neuerungen können Interessierte hier einsehen:

 

> Link zur Präsentation <

 

Öffentlich zum Download zur Verfügung stehen wird die UVV Überfallprävention sowie die Regel Spielstätten ab dem 01.04.2021. Auf ihren Internetseiten bietet die VBG verschiedene Hinweise, Hilfsmaterialien und Angebote zur allgemeinen Gefahrenvorbeugung im Betrieb:

 

> Informationen der VBG <

 

Ab Anfang April werden hier unter anderem auch ein Leitfaden für Unternehmer sowie weitere Informationen zum neuen Regelwerk zur Verfügung stehen. Unterstützung bei Fragen geben zudem die jeweils zuständigen VBG-Ansprechpartner vor Ort in den Bezirksverwaltungen oder die FORUM-Geschäftsstelle (info@forum-automaten.de).

Das FORUM wird seine Mitglieder informieren, sobald das neue Regelwerk der VBG zur Verfügung steht. Auch wird der Kontakt zu weiteren Unfallversicherungsträgern gesucht.

 

 


Seit dem 01. April sind die neue Vorschrift Überfallprävention sowie die zugehörige Regel Spielstätten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Kraft. Nachdem das FORUM dessen Mitglieder über die relevanten Änderungen informiert hatte, stehen ab sofort die Dokumente zum Download bereit.

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von Benedict Wendler

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